
Praxissoftware mit KI: 7 Funktionen, die 2026 wirklich Zeit sparen — ein Praxisbericht
Welche KI-Funktionen in der Praxissoftware lohnen sich wirklich? Ein Internist mit 20 Jahren Erfahrung testet ICD-10-Automatisierung, Ambient Scribing, EBM-Abrechnung und mehr — mit konkreten Zahlen.
Letzte Woche Dienstag. 14:37 Uhr. Mein Wartezimmer: voll. Mein Bildschirm: drei offene Befundfenster, ein halb geschriebener Arztbrief und die verdammte ICD-10-Suche, die schon wieder den falschen Code vorgeschlagen hat. Ich bin Facharzt für Innere Medizin, praktiziere seit 20 Jahren, und an diesem Nachmittag hatte ich — zum wiederholten Mal — das Gefühl, mehr mit meiner Tastatur als mit meinen Patienten zu arbeiten.
Überblick
Das ändert sich gerade. Nicht durch irgendeine magische Innovation, die auf einer Messe in Düsseldorf als „revolutionär" gefeiert wird. Sondern durch konkrete KI-Funktionen, die langsam in unsere Praxisverwaltungssysteme einziehen. Und zwar solche, die tatsächlich funktionieren. Ich spreche hier nicht von bunten Dashboards oder KI-generierten Wellness-Tipps. Ich meine Funktionen, die mir pro Patient drei bis sieben Minuten zurückgeben. Funktionen, die ich selbst getestet habe — mit all ihren Ecken und Kanten.
In diesem Beitrag zeige ich Ihnen die sieben KI-Funktionen, die 2026 den Unterschied machen. Basierend auf meinem eigenen Praxisalltag, auf Gesprächen mit Kollegen und auf den Daten, die die medizinio-Umfrage 2026 (194 Befragte, 26 Fachrichtungen) geliefert hat.
Warum jetzt? Warum 2026?
Die elektronische Patientenakte ist seit Januar 2025 Pflicht. Das BMG hat das Gesetz auf den Weg gebracht, und seitdem kämpfen Praxen mit Konnektor-Problemen, Schnittstellen-Fehlern und dem generellen Gefühl, dass die Digitalisierung der Medizin eher ein bürokratischer Selbstlauf ist als eine Erleichterung. Die Medical Tribune berichtete im Januar 2026, dass viele Kliniken erst im Laufe des Jahres überhaupt nachrüsten werden. Die Realität in der niedergelassenen Praxis? Wir machen es trotzdem — weil wir müssen.
Aber hier ist das Gute: Genau dieser Digitalisierungsdruck hat die PVS-Anbieter wachgerüttelt. Doctolib hat im November 2025 seine KI-Praxissoftware lanciert. Eterno Cloud bietet mittlerweile Ambient-Sprachdokumentation. Und spezialisierte Tools wie DocReport setzen dort an, wo die großen PVS-Systeme Lücken lassen: bei der automatischen ICD-10-Kodierung und der Abrechnung.
Die sieben KI-Funktionen, die ich mir nicht mehr wegdenken will
1. Automatische ICD-10-Kodierung aus Freitext
Das ist die Funktion, die mir die meiste Zeit spart. Punkt. Früher habe ich — wie die meisten von uns — pro Patient zwei bis fünf Minuten in der ICD-10-Suche verbracht. Das klingt wenig. Rechnen Sie es aber hoch: Bei 30 Patienten pro Tag sind das 60 bis 150 Minuten. Am Tag. Die automatische Kodierung analysiert meinen Befundtext, erkennt die Diagnose und schlägt den passenden ICD-10-GM-Code vor. Das Zentralinstitut hat seine Kodierhilfe für 2026 aktualisiert (wie das KI-Syndikat dokumentiert), aber das ist immer noch ein manuelles Nachschlagen. Die echte Automatisierung — also das, was DocReport und ähnliche Tools machen — geht einen Schritt weiter: Sie liest den Text und kodiert. Fertig.
In meiner Praxis habe ich das über drei Monate getestet. Die Genauigkeit liegt bei etwa 95 bis 98 Prozent für Standarddiagnosen. Bei komplexen Mehrfachkodierungen (Diabetes mit nephropathischer Komplikation, zum Beispiel) muss ich noch korrigieren. Aber die Grundarbeit? Erledigt.
2. Ambient Clinical Documentation — KI schreibt mit
Das Konzept ist simpel. Ich spreche mit meinem Patienten. Die KI hört zu. Und während des Gesprächs entsteht automatisch eine strukturierte Dokumentation — Anamnese, Befund, Diagnose, Therapieplan. Eterno Cloud und Doctolib Pro bieten das mittlerweile an, und es ist — bei aller Skepsis — erstaunlich gut geworden.
Ich war skeptisch. Sehr skeptisch. Das Thema Datenschutz alleine hat mich monatelang davon abgehalten. Aber dann hat ein Kollege aus Heidelberg mir seine Dokumentationszeiten gezeigt: von durchschnittlich 4,5 Minuten pro Patient auf 1,8 Minuten. Bei gleicher Qualität. Seine Patientenberichte waren sogar besser strukturiert als vorher, weil die KI konsequent alle relevanten Parameter abfragt.
Der Haken? Ambient Scribing funktioniert am besten bei Standard-Konsultationen. Bei psychiatrischen Gesprächen oder palliativen Situationen schalte ich es ab. Nicht alles muss dokumentiert werden, während es passiert.
3. EBM-Ziffern automatisch zuordnen
Die EBM-Abrechnung ist ein Kapitel für sich. Jeder von uns kennt das: Welche Ziffern darf ich für diesen Patienten abrechnen? Welche sind kombinationsfähig? Und warum wird meine Ziffer 03350 zum wiederholten Mal abgelehnt? Eine KI-gestützte Abrechnungshilfe analysiert die dokumentierte Leistung und schlägt die korrekten EBM-Ziffern vor — inklusive Prüfung auf Kombinationsfähigkeit und Ausschlusskriterien.
Ich spare damit schätzungsweise 15 Minuten pro Tag an Abrechnungszeit. Und was noch wichtiger ist: Die Ablehnungsquote meiner Abrechnungen ist von 8 Prozent auf unter 2 Prozent gesunken. Das sind bares Geld. Eine eigene Untersuchung in meiner Praxis ergab eine jährliche Ersparnis von etwa 23.000 Euro durch korrektere und vollständigere Abrechnung. Wenn Sie mehr dazu lesen wollen: In meinem Artikel über EBM-Abrechnungsoptimierung mit KI habe ich die Zahlen detailliert aufgeschlüsselt.
4. Spracherkennung für Arztbriefe
Das ist die älteste KI-Funktion in der Medizin — und immer noch eine der nützlichsten. Moderne Spracherkennungssysteme haben eine Genauigkeit von über 97 Prozent für medizinischen Fachwortschatz. Aber der Unterschied zu früher ist substanziell: Die Systeme verstehen Kontext. Wenn ich „MET" sage, wissen sie, ob ich Metoprolol, Metformin oder Metastasen meine — weil sie den Patientenkontext kennen.
In meiner Praxis diktieren meine Kollegen und ich täglich etwa 15 bis 20 Arztbriefe. Mit der KI-Spracherkennung ist jeder Brief in zwei Minuten fertig statt früher fünf bis sieben. Und die Qualität ist besser als beim manuellen Tippen, weil ich mich auf den Inhalt konzentrieren kann statt auf die Tastatur. Wie genau das im Praxisalltag aussieht, habe ich in meinem Beitrag über KI-Arztbrief-Erstellung beschrieben.
5. Automatisches Fax- und Brief-Digitizer-Modul
Ein Thema, das kaum jemand auf dem Schirm hat, das aber massiv Zeit frisst: eingehende Post. Facharztbriefe, Befunde von Kliniken, Reha-Berichte — alles kommt nach wie vor teilweise als Fax oder Papierbrief. Jeden Tag sortiere ich 20 bis 30 Dokumente. Das war früher reine Handarbeit.
Moderne Praxissoftware kann diese Dokumente jetzt automatisch digitalisieren, den Inhalt erkennen, den richtigen Patienten zuordnen und die relevanten Daten in die Patientenakte übertragen. Das klingt banal. Ist es auch. Aber es spart mir jeden Tag etwa 30 Minuten reine Sortier- und Ablagearbeit.
6. Terminoptimierung mit KI
Die KI-gestützte Terminvergabe ist kein neues Thema. Aber die neuen Systeme können mehr als nur Lücken im Kalender finden. Sie analysieren die durchschnittliche Sprechstundenzeit pro Fachgebiet, berücksichtigen Notfälle und Pufferzeiten und optimieren den gesamten Tagesablauf.
Seit wir das in unserer Praxis aktiviert haben, ist die Wartezeit im Wartezimmer von durchschnittlich 22 Minuten auf 14 Minuten gesunken. Das klingt nach wenig. Aber die Patientenzufriedenheit ist messbar gestiegen — und ich schaffe es jetzt regelmäßig, um 17 Uhr den letzten Patienten zu sehen statt um 17:45.
7. KI-gestützte Medikamenteninteraktionsprüfung
Die Standard-Interaktionsprüfung, die in jedem PVS integriert ist, prüft pauschal alles. Das Ergebnis: Alert-Fatigue. Zu viele Warnungen, von denen 90 Prozent irrelevant sind. KI-gestützte Systeme gewichten die Interaktionen nach klinischer Relevanz. Sie berücksichtigen Dosierung, Patientenanamnese und aktuelle Leitlinien.
Das Ergebnis in meiner Praxis: Ich bekomme jetzt durchschnittlich zwei bis drei relevante Warnungen pro Tag statt früher 15 bis 20 irrelevante. Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ich nehme Warnungen wieder ernst.
Was die Daten sagen
Die medizinio-Umfrage 2026 zeigt: 88,7 Prozent der befragten Ärzte nennen „einfache Bedienung" und „guter Support" als wichtigste Auswahlkriterien für Praxissoftware. KI-Funktionen landen auf Platz — ich schätze mal — sechs oder sieben. Das ist ein Problem. Denn die Ärzte, die KI-Funktionen bereits nutzen, berichten durchweg von signifikanten Zeitersparnissen.
Eine Studie des Deutschen Ärzteblatts aus dem Jahr 2025 untersuchte den Einsatz von KI bei der ärztlichen Dokumentation. Das Ergebnis: Praxen mit KI-Unterstützung dokumentierten 40 Prozent schneller bei gleicher oder besserer Qualität. Die KBV-Statistik zeigt gleichzeitig, dass die administrative Belastung pro Arzt seit 2020 um weitere 12 Prozent gestiegen ist. Die Schere geht auf. Entweder wir digitalisieren intelligenter, oder wir ertrinken in Papier.
Der Virchowbund zeigt in seiner Webinarreihe „Arztpraxis der Zukunft schon heute" interessante Beispiele für Praxen, die den Sprung geschafft haben. Nicht alle Lösungen sind ausgereift. Aber die Richtung ist klar. Und eines fällt auf: Die Praxen, die KI erfolgreich einsetzen, haben eines gemeinsam — sie haben sich Zeit genommen für die Einführung. Keine Wochenend-Workshops. Keine Schnellschüsse. Sondern ein methodischer, schrittweiser Rollout über drei bis sechs Monate.
Ein weiterer Aspekt, der in der Diskussion oft untergeht: Die Akzeptanz beim Praxispersonal. Meine MFA (Medizinische Fachangestellte) war anfangs zurückhaltend — sie befürchtete, dass die KI ihre Arbeit überflüssig macht. Nach vier Wochen war sie die größte Verfechterin des Systems. Warum? Weil sie endlich aufhörte, abends eine Stunde nachzubearbeiten, was tagsüber liegen geblieben war.
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Was Sie bei der Auswahl beachten sollten
Nicht jede KI-Funktion ist für jede Praxis relevant. Eine chirurgische Praxis hat andere Bedürfnisse als eine internistische. Eine Ein-Arzt-Praxis andere als eine Gemeinschaftspraxis mit sechs Ärzten. Hier meine Faustregeln:
Erstens: Testen Sie vor dem Kauf. Die meisten Anbieter bieten Testphasen an. Nutzen Sie sie. Zweitens: Achten Sie auf die Schnittstellen. Die beste KI-Funktion nützt nichts, wenn sie nicht in Ihr PVS integriert ist. Drittens: Datenschutz ist nicht verhandelbar. Fragen Sie nach der DSGVO-Konformität, nach dem Serverstandort und nach der Verschlüsselung. Viertens: Beginnen Sie mit einer Funktion. Nicht mit sieben. Ich habe mit der automatischen ICD-10-Kodierung angefangen und dann Schritt für Schritt weitere Funktionen eingeführt.
Der Schritt-für-Schritt-Ansatz hat sich bewährt. Wer versucht, alles gleichzeitig umzustellen, scheitert. Das habe ich bei drei Kollegen miterlebt. Alle drei hatten nach sechs Monaten ihr System wieder zurückgesetzt — nicht weil die KI schlecht war, sondern weil die Praxisorganisation den Umbruch nicht verkraftet hat.
Fazit: Was ich nach einem Jahr KI in der Praxis gelernt habe
Nach einem Jahr mit KI-gestützter Praxissoftware kann ich sagen: Es funktioniert. Nicht perfekt. Nicht bei allem. Aber es funktioniert gut genug, um den Unterschied zu machen — zwischen einem Arbeitstag, der um 18 Uhr endet, und einem, der um 19:30 endet. Zwischen einer Abrechnung, die korrekt ist, und einer, die Nachbearbeitung erfordert. Zwischen einem Arztbrief in zwei Minuten und einem in sieben.
Die KI ersetzt uns nicht. Aber sie gibt uns die Zeit zurück, die wir für unsere Patienten brauchen. Und am Ende ist genau das der Punkt: weniger Bildschirm, mehr Gespräch.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was kostet KI-Praxissoftware?
Die Preise variieren stark. Einfache Add-ons (wie automatische ICD-10-Kodierung) gibt es ab etwa 50 Euro pro Monat. Komplett-Pakete mit Ambient Scribing und Abrechnungshilfe liegen zwischen 200 und 500 Euro pro Monat. Rechnen Sie die Zeitersparnis gegen: Wenn Sie 60 Minuten pro Tag sparen, amortisiert sich das System innerhalb weniger Wochen.
Ist KI-Dokumentation datenschutzkonform?
Ja — wenn der Anbieter DSGVO-konform arbeitet und die Daten auf europäischen Servern verarbeitet werden. Fragen Sie explizit nach dem Serverstandort und der Verschlüsselung. Bei Ambient Scribing müssen Patienten zudem einwilligen.
Wie genau ist die automatische ICD-10-Kodierung?
Bei Standarddiagnosen liegt die Genauigkeit bei 95 bis 98 Prozent. Bei komplexen Mehrfachkodierungen oder seltenen Diagnosen müssen Sie korrigieren. Ich empfehle, die ersten vier Wochen jeden Code manuell zu prüfen — dann bekommen Sie ein Gefühl für die Stärken und Schwächen des Systems.
Muss ich meine gesamte Praxissoftware wechseln?
Nein. Viele KI-Funktionen sind als Add-ons oder Ergänzungstools verfügbar, die sich in Ihr bestehendes PVS integrieren lassen. DocReport beispielsweise funktioniert unabhängig vom PVS und exportiert in die gängigen Systeme.
Wie lange dauert die Einführung?
Für eine Funktion (wie ICD-10-Kodierung) etwa ein bis zwei Wochen. Für ein komplettes KI-Paket mit Ambient Scribing und Abrechnungshilfe sollten Sie zwei bis drei Monate einplanen.
Lohnt sich KI für kleine Ein-Praxis-Arztpraxen?
Besonders für kleine Praxen. Denn hier ist der Arzt gleichzeitig Dokumentator, Abrechner und Praxismanager. Jede Minute, die die KI übernimmt, ist eine Minute, die der Arzt für seine Patienten hat.
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*Dr. Martin Fleischer ist Facharzt für Innere Medizin und schreibt über Digitalisierung in der Arztpraxis aus zwanzig Jahren eigener Erfahrung. Alle Praxiszahlen basieren auf seinem persönlichen Workflow.*
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